PCC und Comando Vermelho — Brasiliens Kartelle im Strafvollzug
Comando Vermelho (CV)
Das Comando Vermelho wurde 1979 in der Hochsicherheitsanstalt Ilha Grande (Rio de Janeiro) gegründet — ursprünglich als Kollektiv politischer Gefangener und gewöhnlicher Krimineller mit dem Ziel kollektiver Verteidigung. Im Lauf der 1980er- und 90er-Jahre transformierte sich die Gruppe zum dominanten Drogenkartell in den Favelas von Rio. Heute beherrscht das CV große Teile des Stadtgebiets und ist transnational aktiv.
Primeiro Comando da Capital (PCC)
Der Primeiro Comando da Capital wurde 1993 in der Haftanstalt Taubaté (São Paulo) gegründet — unmittelbare Reaktion auf das Carandiru-Massaker vom 02.10.1992 (111 Tote bei einer Polizeioperation). Der PCC entwickelte sich zur strukturierten kriminellen Organisation mit eigenem „Statut" und kontrolliert heute große Teile des brasilianischen Drogen-, Waffen- und Schmuggelmarktes. Er ist die größte kriminelle Organisation Lateinamerikas, mit Aktivitäten in über 25 brasilianischen Bundesstaaten und in Paraguay, Bolivien, Argentinien.
Anísio-Jobim-Massaker 2017
Am 01.01.2017 kam es im Centro de Recuperação Penitenciária Anísio Jobim (Manaus, Amazonas) zu einem Massaker mit 56 Toten zwischen PCC- und CV-affiliierten Gruppen. Es war der Auslöser einer Welle von Gefängnismassakern im Januar 2017 (Roraima, Rio Grande do Norte) mit insgesamt über 130 Toten.
Auslieferungsrechtliche Bedeutung
Die de-facto-Beherrschung des brasilianischen Strafvollzugs durch PCC und CV ist im deutschen Auslieferungsverfahren ein zentrales Argument: Eine Unterbringung in regulärer Bundeshaft ist mit erheblichen Lebensgefahren verbunden — gerade für Personen, die nicht einer der dominierenden Fraktionen angehören oder Konflikte mit ihnen haben. Diplomatische Zusicherungen zur konkreten Anstalt, zum Schutzregime und zur Trennung sind zwingend.
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