Politische Straftaten als Auslieferungshindernis
Grundsatz
Nach § 6 Abs. 1 IRG ist die Auslieferung wegen einer politischen Straftat unzulässig. Dies entspricht einem jahrhundertealten Grundsatz des Auslieferungsrechts, der auch in Art. 3 des Europäischen Auslieferungsübereinkommens (EuAlÜbk) verankert ist. Der Schutz vor Verfolgung wegen politischer Überzeugungen gehört zum Kernbestand rechtsstaatlicher Auslieferungsrechts.
Begriff der politischen Straftat
Das Gesetz definiert den Begriff nicht abschließend. In der Praxis wird unterschieden zwischen rein politischen Straftaten (z.B. Hochverrat, Majestätsbeleidigung) und relativen politischen Straftaten, bei denen eine gemeine Straftat (z.B. Körperverletzung) mit politischem Motiv zusammentrifft. Bei Letzteren ist eine Abwägung vorzunehmen — der politische Charakter muss überwiegen.
Ausnahmen — Attentatklausel
§ 6 Abs. 2 IRG enthält eine wichtige Ausnahme: Politisch motivierte Angriffe auf das Leben einer Person gelten nicht als politische Straftaten und sind damit auslieferungsfähig. Ebenso fallen Terrorismus und Kriegsverbrechen nicht unter den Schutz des § 6 IRG; insoweit bestehen Sonderregelungen im multilateralen Recht (z.B. Europäisches Übereinkommen zur Bekämpfung des Terrorismus).
Abgrenzung zur politischen Verfolgung
§ 6 IRG schützt den Täter politischer Straftaten vor Auslieferung. Davon zu trennen ist die Situation des politisch Verfolgten, der eine gemeine Straftat begangen hat — hier greift § 6 nicht, wohl aber ggf. Art. 3 EMRK oder der politische Verfolgungsschutz nach § 6a IRG.
Fragen zum Auslieferungsverfahren?
Ich stehe 24/7 zur Verfügung.